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Dienstag, 16. Juli 2024

Global Economic Conditions Survey: Zinsentwicklung macht der europäischen Wirtschaft am meisten Sorgen / Sinkendes Vertrauen und straffere Geldpolitik drücken auf die Konjunktur

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Montvale (N.J.)/ Berlin (ots) –

Das Vertrauen in die Wirtschaft in Westeuropa ist im zweiten Quartal 2023 stark gesunken. Laut Global Economic Conditions Survey (GECS), einer weltweite Erhebung des IMA® (https://eu.imanet.org/?utm_source=press+release+gecs+q1&utm_medium=GECS+press+release+clicks&utm_campaign=lead+press+release) (Institute of Management Accountants) und der ACCA (https://www.accaglobal.com/gb/en.html) unter 750 Finanzexperten bzw. Buchhaltern zur aktuellen wirtschaftlichen Lage, kann dies auf eine ungünstige Entwicklung hinweisen, die ihren Ursprung auch und vor allem in den Auswirkungen der strafferen Geldpolitik der Zentralbanken hat. Eine Risikoanalyse zeigt, dass Inflation, Fachkräftemangel sowie Cybersicherheit die größten Risiken für Unternehmen in Westeuropa darstellen.

Die wichtigsten Ergebnisse des GECS:

– Vertrauen: Nachdem das Vertrauen in den letzten drei aufeinanderfolgenden Quartalen gestiegen war, sank es im Q2 2023 wieder. Westeuropa nimmt hier weltweit einmal mehr eine besondere Stellung ein: Im globalen Vergleich ist der Rückgang der insgesamt zweitstärkste – nachdem auch der Anstieg in den drei Vorquartalen überdurchschnittlich stark war. Ein Grund für den Vertrauensschwund dürfte in der schwachen Erholung bzw. Entwicklung der chinesischen Konjunktur liegen.
– Aufträge: Im Vergleich waren die Schwankungen beim Auftragsbestand europaweit deutlich niedriger als beim Vertrauen. Trotz eines sinkenden Einkaufsmanagerindex der Industrie (EMI) in Deutschland1 bleibt die allgemeine Auftragslage in Westeuropa in etwa auf dem Niveau des vorhergehenden Quartals. Im Juni 2023 stieg das Volumen der Auftragseingänge des Verarbeitenden Gewerbes gegenüber dem Vormonat in Deutschland um rund sieben Prozent an.2 Dennoch ist insgesamt das Niveau in Westeuropa deutlich niedriger als vor einem Jahr nach dem Ausbruch des Ukraine Krieges.
– Wirtschaftliche Erholung: Wie die BIP-Daten für das erste Quartal 2023 zeigen, gab es in der Eurozone im Winter tatsächlich eine leichte Rezession. Im zweiten Quartal, so zeigen unter anderem Untersuchungen von S&P Global, sind die Geschäftsaktivitäten stark zurückgegangen. Der kombinierte Einkaufsindex (PMI) für die Eurozone fiel von 54,1 im April auf 49,9 im Juni. Im Juli ist er Schätzungen zufolge noch einmal auf nunmehr 48,9 abgesunken. Damit wird deutlich, dass die Frage der Energiepreise nicht so relevant ist wie angenommen, sondern die Geldpolitik den maßgeblichen Ausschlag gibt.
– Inflation: Die Inflationsrate ist im zweiten Quartal 2023 auf 5,5 Prozent zurückgegangen. Das liegt zur Hauptsache an den leicht gefallenen Energiepreisen. Wie die Daten zur Produktpreisentwicklung zeigen, könnte die Inflation bei den Rohstoffpreisen in der zweiten Jahreshälfte ebenfalls zurückgehen. Schon im Juni war sie den vierten Monat in Folge gesunken.
– Betriebskosten: Der Global Concern Index als Spiegel der Besorgnis über hohe Betriebskosten veränderte sich im zweiten Quartal 2023 im Vergleich zum ersten nicht – beide lagen bzw. liegen aber deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Im Kontext eines leichten Kostenrückgangs haben die Notenbanken ihre Geldpolitik weiter gestrafft. Im Ergebnis könnte das dazu führen, dass sich das allgemeine Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung schnell wieder erholt.
– Angst: Die beiden Angstindizes – die Angst, dass entweder Kunden oder Lieferanten in Konkurs gehen könnten – ist im zweiten Quartal 2023 im Vergleich zum Vorquartal leicht zurückgegangen. Das bedeutet: Die allgemeinen Sorgen über Rezession, steigende Zinsen oder wachsende Insolvenzen halten sich in Grenzen. Über die weitere Entwicklung kann allerdings nur spekuliert werden, da die Zentralbanken unverändert auf höhere Zinsen setzen.

Begrenzte Wirkung auf die Realwirtschaft

Das Vertrauen in Westeuropa hat sich in jüngster Zeit als sehr volatil erwiesen. Nach dem Ende der Pandemie kam bald schon der Ukraine-Krieg, was allgemein nicht viel Optimismus aufkommen ließ. Hatte sich die Wirtschaft noch Ende 2022 / Anfang 2023 sichtbar erholt, so ist das Vertrauen aktuell wieder eingebrochen. Um einen Abschwung zu prognostizieren, ist es jedoch noch zu früh. Die Beschäftigung liegt im Durchschnitt, die Investitionen haben leicht angezogen. Obwohl die EZB weiter auf eine straffe Politik setzt, scheint die Realwirtschaft davon kaum negativ betroffen (siehe Abbildung 1).

Inflation, Fachkräftemangel & Cybersicherheit: die größten Risiken

Nach den Erkenntnissen des GECS bestehen die größten Risiken für Unternehmen in den Bereichen Inflation/Rezession (24 Prozent der Nennungen), Fachkräftemangel/ mangelnde Qualifikation (23 Prozent) sowie Technologie/Datenintegrität/Cybersecurity (21 Prozent). Im Vergleich mit vorherigen Erhebungen fällt die Compliance dabei vom ersten auf den vierten Platz der Nennungen zurück. Der gleichzeitige Aufstieg der Inflation zum Risiko-Spitzenreiter hängt vermutlich mit der jüngsten Zinserhöhung der EZB um 25 Basispunkte im Juli 2023 zusammen.

Die Arbeitslosigkeit liegt bei gerade einmal 6,5 Prozent, das Lohnwachstum ist beträchtlich – Anlass genug, mit weiteren Straffungsmaßnahmen der EZB zu rechnen, wenn sich das Wachstum entsprechend entwickelt.

Der gesamte Report kann hier (https://eu.imanet.org/About-IMA/GECS?psso=true&utm_source=press+release+Q2+2023+GECS&utm_medium=GECS+press+release+clicks&utm_campaign=end+of+press+release) heruntergeladen werden.

1 Einkaufsmanagerindex (EMI) der Industrie in Deutschland 2023 | Statista (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/200344/umfrage/entwicklung-des-einkaufsmanagerindex-emi/)

2 Veränderung der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe 2021-2023 | Statista (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/151308/umfrage/deutsche-industrie-auftragseingang/)

Der Global Economic Conditions Survey (GECS)

Der Global Economic Conditions Survey (GECS) ist die größte regelmäßig wiederkehrende Wirtschaftsumfrage unter Buchhaltern und Controllern weltweit. Sie wird seit mehr als zehn Jahren von den globalen Branchenverbänden ACCA und IMA durchgeführt. Die Kennzahlen und Ergebnisse spiegeln die wirtschaftliche Aktivität und geben wertvolle Einblicke in die Ansichten der Finanzfachleute – von Investitionsverhalten über Beschäftigung bis zu den Kosten. Aufgrund der vierteljährlichen Struktur und des Umfangs der Grundgesamtheit ist GECS ein zuverlässiger Indikator für jedes Unternehmen oder jede sozioökonomische Organisation. Die Daten für die aktuelle Q2/2023-Studie wurden zwischen dem 6. und 20. Juni 2023 unter 750 Mitgliedern des ACCA und des IMA erhoben, darunter mehr als 100 CFOs. Mehr Informationen finden Sie unter: https://www.imanet.org/insights-and-trends/global-economic-conditions-survey?ssopc=1

Über IMA® (Institute of Management Accountants)

Das IMA® (Institute of Management Accountants) ist einer der größten internationalen Verbände für Buchhalter und Finanzfachleute. Das IMA® unterstützt Buchhalter, Bilanzbuchhalter, CFOs, Wirtschaftsprüfer und andere Experten im Finanzbereich durch Forschung sowie die international anerkannte Fortbildung zum CMA (https://www.imanet.org/cma-certification?ssopc=1)® (Certified Management Accountant) und das CSCA®-Programm (Certified in Strategy and Competitive Analysis). Gerade die Ausbildung zum CMA gilt als maßgeblicher Faktor für eine Karriere im Bereich Finanzen. Weitere Fortbildungsangebote, ein intensives Networking sowie das strikte Eintreten für ethische Geschäftspraktiken gehören ebenfalls zu seinem Tätigkeitsbereich.

Das IMA verfügt über ein globales Netzwerk mit rund 140.000 Mitgliedern in 150 Ländern, davon rund 100.000 CMA-Träger. Vertreten sind hier auch 350 professionelle Chapter. Die Fachmagazine The Accountant/International Accounting Bulletin haben das IMA als Berufsverband der Jahre 2017 und 2018 ausgezeichnet.

Mit Hauptsitz in Montvale/N.J., USA, bietet das IMA in allen globalen Regionen, in denen das Institut aktiv ist (Nord- und Südamerika, Asien/Pazifik, Europa und Naher Osten/Indien) lokal spezifizierte Dienstleistungen an. In Europa hat das IMA derzeit über 3.000 Mitglieder und ist mit eigenen Büros in Amsterdam und Zürich vertreten. (Stand: Juli 2022)

Weitere Informationen über IMA finden Sie unter www.imanet.org.

Über ACCA (Association of Chartered Certified Accountants)

ACCA (Association of Chartered Certified Accountants) ist die globale Vereinigung professioneller Wirtschaftsprüfer, die erstklassige, geschäftsrelevante Qualifikationen für Personen mit entsprechender Eignung, Fähigkeiten und Ambitionen auf der ganzen Welt anbietet, die eine erfolgreiche Karriere in den Bereichen Buchhaltung, Finanzen und Management anstreben.

Die ACCA unterstützt ihre 233.000 Mitglieder und 536.000 Studenten (einschließlich Tochtergesellschaften) in 178 Ländern und hilft ihnen bei der Entwicklung erfolgreicher Karrieren im Rechnungswesen und in der Wirtschaft mit den von den Arbeitgebern geforderten Qualifikationen. Durch ihren Auftrag im öffentlichen Interesse fördert ACCA eine angemessene Regulierung des Rechnungswesens und führt einschlägige Forschungsarbeiten durch, um sicherzustellen, dass der Ruf und der Einfluss des Rechnungswesens weiter wachsen.

Die ACCA hat wichtige Neuerungen in ihrer zentralen Ausbildung eingeführt, um sicherzustellen, dass ihre Mitglieder und zukünftigen Mitglieder auch weiterhin die weltweit am meisten geschätzten, aktuellsten und gefragtesten Buchhaltungsexperten sind. Seit ihrer Gründung im Jahr 1904 hat die ACCA stets einzigartige Werte vertreten: Chancen, Vielfalt, Innovation, Integrität und Rechenschaftspflicht. Weitere Informationen finden Sie hier: www.accaglobal.com

Pressekontakt:
FleishmanHillard Germany für IMA
Josefine Loß
[email protected]
Tel: +49-69-405702-468ACCA
ACCA Newsroom
E: [email protected]
Twitter @ACCANews
accaglobal.com
Original-Content von: Institute of Management Accountants (IMA), übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots

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